Italien 2005

Eigentlich war die Tour schon für 2004 geplant, Anfang September 2005 machte ich (Suzuki Bandit 1200S) mich mit Thomas (Yamaha XJ-900S) und Hannes Kawasaki (ZR-7S) für 2 Wochen auf, Italien per Moped zu bereisen.

Von Anfang an Stand für uns das Kennenlernen des Landes im Vordergrund, wir waren also nicht ausschließlich zum Motorrad fahren da.

Da wir ausschließlich zelten wollten, waren wir mit entsprechend viel Gepäck unterwegs.

route

grobe Route

Um nicht zuviel Zeit mit auf- und abbauen zu verschwenden entschieden wir uns dafür, wenn möglich 2 Tage an jeder Station zu bleiben.

Dresden – Wien

Am 02.09. ist es dann soweit, die Mopeds sind beladen und bei schönsten Wetter machen wir uns auf nach Wien.

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Ich habe 2x 22l Satteltaschen für Kochgeschirr, Regenzeug und anderen Kleinkram, auf dem Rücksitz einen 60l Rollbag für Klamotten sowie eine 90l Gepäckrolle auf der Gepäckbrücke, in welcher Zelt, Schlafsack und Matratze verstaut sind. Im Tankrucksack finden Kamera, Wasserflasche und Kartenmaterial Platz. Den Rucksack(gelb) habe ich einfach oben aufgeschnallt, da er nicht in die Rollen passte.

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Thomas hat praktisch alles in den Seitenkoffern verstaut, aufgeschnallt ist eine Rolle für Zelt und Matraze sowie zwei Stühle.

Und los gehts, über Zinnwald auf nach Tschechien. Kurz hinter der Grenze bringen uns die teilweise extremen Spurrinnen (starker LKW Verkehr) zum fluchen. Auf der Autobahn ein Stück hinter Prag wills die Rennleitung plötzlich wissen, ohne Vorwarnung winkt plötzlich jemand mit der Kelle vor mir, ich vermeide eine Vollbremsung und komme ca. 30m hinter dem guten Mann zum stehen. Dieser kontrolliert flüchtig die Papiere, als wir böseres erwarten wünscht er uns eine gute Weiterfahrt. Die Jungs sahen alle recht sportlich aus, offenbar halten die dort öfter Fahrzeuge auf diese Art an :).

Ab Jihlava gehts auf der Landstraße weiter, auch dies sorgt für etwas Verwunderung. Die Strafen in Tschechien für zu schnelles Fahren sind deutlich höher als in Deutschland, aber mit 80 km/h innerorts und 120 ausserorts wird man permanent überholt.

Nach 467 km kommen wir in Wien an.

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Übernachtung ist bei Hannes gesichert, der momentan in Wien lebt. Wir ziehen noch ein paar Stunden um die Häuser, ich mache Bekanntschaft mit einer “Schaufel Mist” – das ist irgendwas mit Nudeln für Vielfraße ;) .

Wien – Wörthersee

Nach dem wir rätseln ob wir nun Landstraße oder Autobahn fahren, stellt es sich als optimal heraus die sehr gut ausgebaute Landstraße zu benutzen. Von Wien aus folgen wir der S6 über Semmering nach Loeben. Von dort aus geht es über die S36 und die S317 über Judenburg nach Klagenfurt und weiter direkt am Ufer des Wörthersees entlang nach Auen. Die gesamte Strecke ist 315 km lang

Leider zieht etwas Regen auf, welcher die Fernsicht beschränkt, das Panorama ist trotzdem sehenswert. In der Steiermark wechseln sich Berge mit Tunnels ab, sehenswert ist das Ganze trotzdem. Nachdem es stärker zu regnen beginnt, werden Mensch und Gepäck abgedichtet und die Geschwindigkeit auf 110-120km/h reduziert, da ich Angst habe die Regenschutzhauben zu verlieren. Meine Bandit verbraucht dabei nur noch rekordverdächtige 5l/100 km.

Bei einem kurzen Stop in Klagenfurt wird mein Blinker durch einen Seitenkoffer demoliert, dieser lässt sich aber mit Klebeband reparieren und es sollte der einzige Schaden der Tour bleiben. Der Regen hört auf und wir fahren am Wörthersee entlang in Richtung Auen.

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Wir bauen unsere Zelte auf, und beschließen noch ein Bier mit Seeblick zu genießen. Eine Bank am See welche ich auf der Hinfahrt gesehen habe, ist dann doch ca. 5km Fussmarsch entfernt (die Südseite fast komplett mit Privatgrundstücken zugebaut).

Wörthersee – Grado

Bei gutem Wetter fahren wir über Villach weiter Richtung Italien.

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Italien begrüßt uns unspektakulär, eine kleine Ortschaft und aufgefräßte Strassen. Anfangs sind wir durch die oft unklaren Geschwindigkeitsbegrenzungen (fehlende Ortsausgangsschilder etc.) etwas verunsichert, passen uns aber schnell der “italienischen Fahrweise” ;) an. Leider finden wir kurz hinter Tarviso die Abfahrt auf die S54 nicht, welcher wir eigentlich bis kurz vor die slowenische Grenze folgen wollten, um dann über den Sella-Nevea-Pass wieder auf die S13 zu stoßen. Auch die kurz gefasste Idee, nach Uccea und über den Tanamea-Pass zurück zur S13 zu fahren scheitert leider mangels Beschilderung.

Allerdings macht die Strecke auf der S13 südlich von Pontebba, durch reichlich Kurven, zumindest bei höherem Tempo viel Spaß. Die örtliche Rennleitung scheint Mitleid mit uns zu haben, indem sie auf diesem Stück offenbar gerade Pause macht ;).

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Langsam lassen wir die Alpenausläufer hinter uns, ab Udine fahren wir auf die S352 durch Aqueleia nach Grado. Die Überfahrt über die Seebrücke von Grado ist beeindruckend und lässt Badelaune aufkommen. Leider ist, als wir nach 210 km ankommen gerade Ebbe am Golf von Trieste, da der Strand in Grado nicht als Seebad ausgebaut ist können wir nur “Watt wandern”. Ein weiterer Wermutstropfen: Mücken ohne Ende…

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für das leibliche Wohl wird selbst gesorgt

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Am nächsten Tag nutzen wir die Flut zum baden, und sehen uns nachmittags die Altstadt von Grado an.

Grado – Cavallino

Wir fahren die S352 nördlich bis Cervignano, über Latisana nach Carole wieder ans Meer und von dort aus über Eraclea und Lido di Jesolo nach Cavallino, insgesamt nur 135 km. Die Strecke selbst ist zumeist nicht weiter sehenswert.

Kurz hinter Carole lege ich (Vorausfahrender) eine kleine Showeinlage ein. Nachdem wir ca. 15 min einer Dose durch verwinkelte Ortschaften hinterhergedümpelt sind sehe ich meine Chance – 100m Gerade zum Ortsausgang, dahinter 200m Freiflug das auch die anderen genug Platz zum überholen haben. Dummerweise steht kurz vorm Ortsausgangsschild die örtliche Rennleitung mit 3 Mann Besatzung. Die Jungs bleiben zum Glück cool und wir können abgabenfrei passieren.

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Auf dem sehr komfortablen Zeltplatz haben wir leider wieder ein Mückenproblem. Der zugehörige Strand ist hier aber ausgebaut, so das wir auch bei Ebbe baden können.

Venedig

ags darauf machen wir die obligatorische Stadtbesichtigung von Venedig. Um die wenigen km nach Punta Sabbioni (Abfahrt der Fähre) zurückzulegen entscheiden wir uns für den Bus, was sich als schwerer Fehler erwies. Die vorhergesagten 45 min bis Venedig, verbringt der mit Touris vollgestopfte Bus selbst bereits im Stau. Inklusive der Überfahrt nach Venedig brauchen wir etwa 1,5 Stunden.

Dort bei trüben Wetter angekommen schlagen wir uns erstmal ins “Hinterland” um den Touristenströmen zu entkommen. Später fahren wir noch einige Stücken auf dem Canale Grande hin und her um uns die Stadt anzusehen.

Zum Schluss besichtigen wir auf dem Markusplatz und steigen auf den Campanile di San Marco, vom dem man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt hat.

Hier ein paar Bilder:

Canale Grande

Canale Grande

Futter fassen in Ferrovia

Futter fassen in Ferrovia

keine Angst, die singen nur im Film

keine Angst, die singen nur im Film

Blick vom Campanile di San Marco

Blick vom Campanile di San Marco

die örtliche Rennleitung ;)

die örtliche Rennleitung ;)

Auch die Rückfahrt dauert über eine Stunde.

Cavallino – Gatteo a Mare

Weiter geht es über Jesolo und Murano auf die E55 in Richtung Süden.
Das Wetter ist bedeckt bei ca. 25 °C.

Wer denkt, das man auf der “Adriatica” getauften Straße etwas von der Adria sieht, der irrt. Ausser der Seeüberfahrt über die Laguna Veneta bei Brondolo (auf der wir uns durch den Stau quälen müssen) gibt es nichts sehenswertes. Rechts und links der Strasse Einöde, 70km/h Begrenzung, Schlaglöcher, hunderte LKW und schnurgerade Stecke. Wer hier Spaß am Motorrad fahren haben möchte, braucht eine Goldwing mit eingebauter Playstation.
Da das Überholen in den Gegenverkehr hier üblich ist und man zuverlässig vor der Rennleitung gewarnt wird, bringen wir die 235km recht schnell hinter uns.

Thomas nutzt einen Tankstop zum Probesitzen auf einer Moto Guzzi

Thomas nutzt den Tankstop zum probesitzen auf einer Moto Guzzi

 

Der ursprünglich ausgewählte Zeltplatz liegt nicht am Meer, wir werden aber freundlich an die Konkurrenz verwiesen. Diese fällt wiederum in die Kategorie “feudal”. Trotz normaler Preise werden auf dem modernen Platz jede Menge Freizeitaktivitäten und eigener Strand geboten, unser Stellplatz ist nur ca. 20m vom Strand entfernt.

Der Platz selbst liegt am direkt Fluss Rubicone, welcher im Altertum die nördliche Grenze des Römischen Reiches zu Gallien bildete. Als Julius Cäsar diesen im Jahre 49 v.Chr. überschritt, um auf Rom zu marschieren soll er die berühmten Worte “alea iacta est” (die Würfel sind gefallen) ausgesprochen haben.
Wie dem auch sei, das Überschreiten hat Ihm mit Sicherheit keine Mühe gemacht, denn an dieser Stelle kann man den Fluss eher als “breiten Graben” bezeichnen .

Tags darauf machen wir einen Abstecher in das nahe gelegene San Marino.

 San Marino

Bei trüben und regnerischen Wetter machen wir uns auf nach San Marino. Unterwegs beginnt es immer stärker zu regnen, dadurch macht auch die Bergfahrt nach San Marino Stadt (ca. 650 Höhenmeter) weniger Spaß. Dort angekommen sind wir komplett durchnässt.

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Aber während wir uns erstmal bei Tee und Kaffee trocknen, klart das Wetter etwas auf. Die Aussicht ist trotz allem berauschend und scheint viel für Motorradtouren zu bieten. Wir würden gern noch die anderen Burgen besuchen, leider kommen wir (diesmal) nicht dazu.

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Wir verbringen den kompletten Tag hier, besuchen neben einen Wachsfigurenkabinett noch verschiedene Museen.

Eine der drei Burgen von San Marino Stadt

Eine der drei Burgen von San Marino Stadt

In der Burg

In der Burg

Regierungspalast

Regierungspalast

San Marino hat neben einer äußerst interessanten Geschichte sehr viel zu bieten, hier darauf näher einzugehen würde aber den Rahmen sprengen.

Die Rückfahrt zum Zeltplatz wird noch etwas “interessant”: Wir erleben den Feierabendverkehr in Rimini in voller Pracht. Inzwischen haben wir uns aber etwas dem italienischen Fahrstil angepasst. Das kostet zwar zuerst Überwindung, garantiert dafür aber schnelles Vorankommen.

Dabei sticht mich eine Wespe ins Kinn. Wenige Kilometer weiter öffne bei Tempo 90 kurz das Visier, um ein Schild besser lesen zu können. Ein größeres Fluginsekt nutzt diese Gelegenheit zum Suizid auf meiner Stirn.

Gatteo a Mare – Tirrenia

Nach einem weiteren Tag in Gatteo a Mare, den wir zum Ausspannen am Strand nutzen, geht es weiter in Richtung Westküste. Wir fahren über Cesenatico nach Cesena und von dort auf der S9 nach Forli. Dort wechseln wir auf die S67 und folgen dieser nach Südwesten in Richtung Florenz.

Die Strecke zwischen Rocca und Pontasieve bietet eine herrliche Landschaft. Richtig Spaß kommt bei der Durchquerung der Alpen von St. Bennedetto über den Muraglione-Pass bei Godenzo auf. Berge, Kurven und bestes Wetter – einfach perfekt.

Muraglione-Pass

Muraglione-Pass

Oben auf dem Pass ist ein kleines Ausflugslokal, wir ankommen stehen ca. 50 Mopeds (meist Rennmaschinen) davor. Entsprechend misstrauisch beäugen einige unsere entsprechend beladenen Maschinen.

Weiter geht es bis Florenz wo wir mehr oder weniger auf die Autobahn-Umgehung gezwungen werden. Nach kompletter Konfusion an der Mautstelle, stoßen wir hinter Florenz auf der S67 und fahren am Arno entlang weiter in Richtung Pisa.

Zwischen Florenz und Empoli haben wir das erste mal ein ernsthaftes Problem. Dazu ein kleiner Exkurs:

SB-Tanken in Italien

An die Siesta haben wir uns inzwischen gewöhnt. Cafes sind geöffnet, Restaurants meist zwischen 14:00 und 17:00 Uhr geschlossen. Die kleinen Tankstellen haben geschlossen, aber in der Woche fanden wir bis dato immer eine größere, welche geöffnet hatte. Diesmal ist alles anders, es ist Sonntag, die Tanks fast leer und es sind nur “unbemannte” 24h-Tankstellen zu finden.

allgemeine Verunsicherung

allgemeine Verunsicherung

Nach langem Rätseln, fand sich zum Glück ein Einheimischer welcher uns in die Geheimnisse des italienischen SB-Tankens einwies:

  1. Geld einwerfen
  2. Zapfsäule wählen
  3. Sorte wählen
  4. Tanken

Eigentlich ganz einfach, wenn man auf die Idee kommt zuerst das Geld einzuwerfen.

Aber:

  • die Automaten akzeptieren meist keine EC- bzw. Visa-Karten
  • die Automaten geben kein Geld zurück
  • sobald der Zapfhahn wieder eingehängt wird verfällt das Restguthaben

Es gilt also Geld einzuwerfen und den Zapfhahn nicht einzuhängen so das der nächste weiter tanken kann. Ich denke das ist der Grund warum italienische Geldautomaten standardmäßig krumme Beträge (70 Euro, 120 Euro…) anbieten. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an das ital. Bikerpärchen welches unsere Scheine kleingewechselt hat.

Die weitere Strecke bis Pisa ist nicht weiter spektakulär, auf der gut ausgebauten S67 kommen wir gut voran. In Pisa wechseln wir auf die S224 und folgen dieser am Meer entlang südlich bis Tirrenia, ingesamt sind das 270 km.

Der gewählt Zeltplatz ist etwas ..naja.. , genau wie der “Tante-Emma-Laden” um die Ecke. In diesem scheinen aber die angebotenen Lebensmittel aus purem Gold zu sein. Es gibt aber in 1km Entfernung neben einem Supermarkt, der Strand ist nur unwesentlich weiter entfernt.

Tags darauf machen wir uns auf in ca. 30km entfernte Pisa.

Pisa

Im schönsten Sonnenschein kommen wir in Pisa an. Zuerst steuern den Piazza dei Miracoli an. Dieser wimmelt von Touristen, was aber der beeindruckenden Kulisse keinen Abbruch tut.

der schiefe Turm

der schiefe Turm

Taufkapelle

Taufkapelle

Dom

Dom

Was ist das?

Was ist das?

Es handelt einen Geldtransport auf dem Piazza dei Miracoli. Der gute Mann karrte die Münzbeutel aus dem Dom über ein paar Stufen heraus, um sie in in aller Ruhe in diesem Nebengebäude einzulagern. Dabei steht die Schubkarre immer wieder unbewacht in der Gegend herum. Allerdings sehen die Jungs von der Security auf dem Piazza ganz fit aus – eine Flucht vom Gelände mit Schubkarre wird somit sicherlich schwierig.

Anschließend erkunden wir die Altstadt weiter, vorbei am Piazza dei Cavalieri bis zum Arno.

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Blick über den Arno

Im Hintergrund sieht man die typisch beigefarbenen Fassaden, für welche Pisa berühmt ist.

Tirrenia – Sestri-Levante

Dies ist vom Panorama und vom Fahrspaß her gesehen der schönste Teil der Tour. Wir folgen der S1 von Pisa aus über Viareggio nach La Spezia.

zwischen Viareggio und La Spezia

zwischen Viareggio und La Spezia

Nach einer ungewollten Stadtrundfahrt in La Spezia, die Strasse ist gesperrt eine Umleitung aber nicht ausgeschildert, gibt es am Ortsausgang endlich richtige Kurven. Während man sich in diesen den Berg hoch bewegt, bietet sich ein herrlicher Blick über La Spezia und die Riviera.

Wir folgen der S1 weiter über La Baracca nach Sestri-Levante. Dabei wechselt sich herrliches Bergpanorama mit Passstrassen ab. Eine Gegend wie geschaffen zum Motorradfahren. Der St. Marco Pass kurz vor Sestri bietet besonders viel Fahrspass.

Auf dem St. Marco Pass

Auf dem St. Marco Pass

Blick vom St. Marco Pass in Richtung Riviera

Blick vom St. Marco Pass in Richtung Riviera

Nach 240km kommen wir an. Die meisten Zeltplätze in Sestri liegen in den Bergen, nach ausgiebigen Durchfragen finden wir einen kleinen im Tal, in ca. 500m Entfernung zum Meer.

Sestri-Levante

Sestri-Levante

Die Riviera bei Sestri lässt sich eigentlich nur mit traumhaft beschreiben. Berge und Passstraßen auf der einen, Meer mit tollem Panorama auf der anderen Seite. Ein Ort an dem es sich leben lässt.

Endlich bietet sich die Gelegenheit Pässe auch mal ohne Gepäck zu fahren. Aber zeitweise werde ich vom Pech verfolgt. Auf dem Weg nach La Spezia schleife ich mir erst durch einen Schaltfehler eine Platte in den Reifen. Nachdem selbiger wieder rund gefahren ist legt die örtliche Strassenmeisterei, in Form von umgefahrenen Pylonen, Zusatzschikanen in die Serpentinen.

Monte Rosso - ca. 15km von Sestri entfernt

Monte Rosso – ca. 15km von Sestri entfernt

Wir entscheiden uns 3 Tage hier zu verbringen, bevor es wieder gen Norden geht.

Sestri-Levante – Iseo

Von Sestri Levante aus folgen wir der S1 über Rapallo nach Recco.

Die Strecke selbst ist wie gemacht zum Motorrad fahren, doch schon in Sestri kündigt sich an was uns auf dem schönsten Teil der Strecke verfolgen wird: Regen. Wir sehen die Berge vor uns in tiefe Wolken gehüllt, eine Schlechtwetterfront ist von Süden aus herangezogen.

Von Recco aus fahren wir über Gattanora auf die S45 in Richtung Norden und folgen dieser bis Ottone. Die Strecke wäre eigentlich schön, aber leider ist es entsprechend diesig und es gibt nur wenige Stellen ohne Regen.
Hinter Ottone entkommen wir langsam dem Regen und folgen der S45, vorbei am Monte Lesima, nach Bobbio. Auf diesem Stück kommt trotz des trüben Wetters wieder Fahrspass auf, Kurven, Berge und herrliche Aussicht – was will man mehr.

Wir bleiben bis Piacenza auf der S45, wechseln dort auf die S591 und fahren nördlich über Crema bis Mozzanica. Von dort geht es auf der S11 weiter bis Rovato und anschließend nach Iseo. Summa summarum 340km.

Auf dem Weg zum geplanten Zeltplatz, werden wir 200m vorher vom Besitzer des Nachbarplatzes abgefangen, welcher selbst Motorrad fährt und uns mit einem Kampfpreis überzeugt.
Der Platz selbst ist zwar recht klein, aber direkt am Lago di Iseo und sehr gut ausgestattet.

Ankunft in Iseo

Ankunft in Iseo

Blick auf Monteisola, die größte Seeinsel Europas

Blick auf Monteisola, die größte Seeinsel Europas

Planänderung

Wir sind am Ziel. Ursprünglich war geplant Iseo genau an diesem Freitag zu erreichen, da Hannes spätestens Sonntag wieder nach Wien fahren muss.

Ich wollte mich mit Thomas noch ein paar Tage in der Umgebung herumtreiben – Mailand, Verona und die Pässe der Umgebung sind interessante Ziele. Wir hatten vor in 3 Etappen gen Heimat zu fahren, und dabei nochmal richtig Spaß in den Alpen oder Dolimiten zu haben. Die genaue Route wollten wir hier festlegen.

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Doch es sollte anders kommen…

Blick auf Monteisola, die größte Seeinsel Europas

Für Samstag war eigentlich ein Ausflug nach Verona und eine Runde um den Gardasee geplant. Am morgen warnt uns der Zeltplatzbesitzer, das Regengebiet von der Riviera sei herangezogen, es wird schlechtes Wetter geben, auf längere Sicht.

Getreu der Devise “Vertraue einen Einheimischen” entscheiden wir uns erstmal einkaufen zu gehen (noch ist es sonnig) und dann ggf. noch zum Gardasee zu fahren. Unser Versuch noch einteilige Regenkombis für die Rückfahrt aufzutreiben bleibt ohne Erfolg (genau genommen versuchen wir das seit San Marino). Als wir den örtlichen Supermarkt verlassen wollen, geht ein Wolkenbruch herunter welcher ca. 1 Stunde anhält. Es hört den ganzen Tag nicht mehr auf zu regnen. Auch Wetterseiten im Netz verheißen nichts gutes.

So bleibt uns nichts weiter übrig als uns die Zeit auf dem Zeltplatz zu vertreiben. Es ist bei 15° recht kühl und die Klamotten sind klamm. Am Abend fällt dann die Entscheidung: ab nach Hause.

Wir suchen uns im Internet noch mögliche Unterkünfte für den Fall, dass das Wetter zu schlecht wird und wir nicht durchfahren können.

Iseo – Dresden

Der Sonntag beginnt, wie der Samstag endet: Regen! Es hätte viele schöne Möglichkeiten gegeben in Richtung Bozen zu fahren. Auf Grund des Wetters und nicht zuletzt der langen Strecke entscheiden sich Thomas und ich für die Autobahn. Hannes fährt bereits gegen 9:00 Uhr los um über den Tonale-Pass noch mitzunehmen. Er weiss noch nicht das er dort den ersten Schnee erlebt.

Wir starten gegen 11:00 Uhr und fahren nach Rovato und dann auf die A4 in Richtung Verona. Dabei können wir wenigstens ein paar kurze Blicke auf den Gardasee erhaschen. Von Verona aus geht es über die A22 über Bozen und Brixen zur Brennerautobahn.

Hinter Verona lässt der Regen immer mehr nach, selbst die triste Autobahn bietet in Südtirol häufig noch schönes Panorama. Das gilt auch für die Brennerautobahn, allerdings ist der Genuss durch feuchte Klamotten und 5° Außentemperatur etwas getrübt.

Tankstop am Brenner

Tankstop am Brenner

Auf der A13 geht es weiter nach Innsbruck, von dort aus über A12 nach Rosenheim. Wir folgen der A8 nach München und fahren über die A9 und A93 nach Hof. Die letzte Etappe führt über die A72 nach Chemnitz und von dort über die A4 zurück nach Dresden.

Ankunft in Dresden

Ankunft in Dresden

Es regnet immerwieder, die Klamotten sind entsprechend klamm, kurz gesagt es ist saukalt. Auf Grund dessen verlängern wir die Tankstops um aufzutauen und wieder Gefühl in die Finger zu kriegen.
Dadurch brauchen für die Rückfahrt etwas über 12 Stunden und legen dabei 948km zurück.

Fazit

Es hat Spass gemacht

Insgesamt haben wir 3215 km zurückgelegt, davon allerdings „nur“ ca. 1200 km in Italien.

Obwohl es für alle Beteiligten die erste längere Tour war, kam es in allen Bereichen zu keinen größeren Katastrophen. Die Maschinen haben klag los ihren Dienst verrichtet, auch wenn ich auf der letzen Etappe meinen Kettensatz mangels Schmierung entgültig zu Altmetall verarbeitet habe und der Hinterreifen jetzt eine saubere “Autobahnkante” aufweist.

Wir haben viel erlebt und manches gelernt.

Equipment

Hier noch ein paar Worte zur Ausrüstung:

Der Falttisch und die 2x3m Plane haben sich als äußerst praktisch erwiesen. Sicherlich kann man das als Luxus bezeichnen, wir hätten beides aber nicht missen wollen.

Im Gegensatz zu Thomas und Hannes war ich anstatt Koffern mit 2x 22l Packtaschen aus dem “UNI GP-SYSTEM MOTO-DETAIL” von Louis für 49 Euro unterwegs. Ich mache auf meinen Seiten eigentlich keine Werbung, aber die Teile sind Ihr Geld wert. Ich habe die Gurte so angebracht, dass ich die Taschen wie einen Sattel über die Sitzbank legen kann und nur noch die Endpunkte verspannen muss. Die Taschen wackeln nicht während der Fahrt und sind mit Schutzhauben auch wasserdicht. Nur an der Innenseite kann es feucht werden, dem kann aber man mit einer Mülltüte um das Gepäck entgegen wirken. Der Nachteil ist, dass man das Gepäck immer komplett abnehmen muss und die gesamte Beladung der Maschine mit allen Gurten unter 20 Minuten nicht zu machen ist.

Februar 2006

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