Thüringen 2010

oder: Bypassoperation am grünen Herzen

Eine interaktive Karte mit allen Touren ist unter http://tour10.bitcycle.de zu finden.

Im August 2010 verbrachten wir einen 5-tägigen Motorradurlaub in Thüringen. Die Entscheidung dazu fiel sehr kurzfristig und der Wetterbericht sagte nichts gutes vorraus. Aus diesem Grund entschieden wir uns mal was neues auszuprobieren, Hotel statt Campingplatz.

Eine kurze Internetrecherche förderte einen Artikel der Motorrad zu Tage, welcher als Basis für die Touren verwendet wurde.

Anreise

Nach einer kurzen Recherche haben wir uns als Ausgangspunkt für das im Motorrad-Artikel genannte Landhotel Edelhof in Kolkwitz entschieden.

Anreise1

 

Die Strecke war relativ kurz (geplant 215km), wodurch wir statt Autobahn Landstraßen fahren wollten. Von Dresden folgten wir der B173 über Chemnitz bis Zwickau. Die prognostizierte Gewitterfront direkt voraus, wurde es ab Freiberg entsprechend nass, weshalb wir einen kurzen Stopp zum Überstreifen der Regenkombis machten, selbstverständlich ließ der Regen sofort nach ;).

Von Zwickau aus wollten wir der B175 über Weida bis Großerbisdorf folgen. Eigentlich ein Gebiet das wir von einem Zeltplatzaufenthalt anno 2007 in Auma kennen.

In der Gegend von Chursdorf kam es zu dem, was zum Motto dieser Tour werden sollte – einer Umleitung. Auf Grund einer Vollsperrung der B175 in Weida, mussten wir über Gera ausweichen. Über die B2 und die B281 ging es weiter in Richtung Saalfeld.

Auf Grund einer Vollsperrung in Pößneck wurden wir ab Köstitz nach Orlamünde erneut umgeleitet. Auf diesem Stück lieferten wir uns in malerischer Umgebung ein Stück weit ein „Rennen“ mit der Regionalbahn ;). Schlussendlich erreichten wir über die B88 nach 234 km (wider erwarten trocken) unser Ziel.

Unterkunft

Wie Eingangs erwähnt, war unser Urlaubsdomizil das Landhotel Edelhof in Kolkwitz.

Landhotel Edelhof

Landhotel Edelhof

Kolkwitz ist ein sehr kleines Dörfchen auf dem thüringischen Lande. Den Ort kann man bequem in 5 min von einem zum anderen Ende durchlaufen, ringsum nichts als Natur, einer der vielen Orte auf dem Lande wo „die Welt noch in Ordnung ist“.

Kolkwitz liegt etwa 5 km vom Ortsanfang Rudolstadt entfernt, bis ins Stadtzentrum sind es gut 8 km, öffentliche Verkehrsmittel stehen nicht zur Verfügung. Dadurch ist man vom „Nachtleben“ etc. ziemlich abgeschnitten, sofern man dies zu Fuss erreichen möchte. Dem Ausgangspunkt als Motorradurlaub tut dies keinen Abbruch. Das Hotelrestaurant ist bis ca. 23:00 geöffnet.

Als Alternative kann ich einen 3 km langen Spaziergang zur Burg Weissenburg empfehlen, welche neben einem Hotel über ein sehr gutes Restaurant verfügt.

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Landhotel Edelhof – Innenhof

Der Edelhof ist kein klassisches Bikerhotel, er wurde durch den o.g. Artikel quasi über Nacht dazu gemacht, hat sich aber schnell auf die Bedürfnisse eingestellt. So dürfen Biker z.B. im Innenhof parken und nicht auf dem ca. 100m entfernten Parkplatz. Desweiteren wird man mit kostenlosem Kartenmaterial versorgt.

Für das Hotel selbst möchte ich eine Lanze brechen,
da die Bewertungen im Internet teilweise recht negativ sind.
Die Zimmer des Hotels sind freundlich gestaltet und sauber – das Personal ist sehr nett und hilfsbereit – was will man mehr?
Offenbar gibt es Zeitgenossen welche für ca. 25 Euro pro Nacht (incl. Frühstück) die Qualität eines Ritz Carlton erwarten :-?.

Das Restaurant bietet bürgerliche Küche zu günstigen Preisen, Wildgerichte mit frischen Thüringer Klößen kann ich besonders empfehlen.

Wir haben uns im Edelhof sehr wohl gefühlt und die familiäre Athmosphäre genossen.

Tour 1 – Schwarzatal – Loquitztal – Saalfeld

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Tour 1 – Schwarzatal – Loquitztal – Saalfeld1

Der erste Teil dieser Tour führte auf der B88 über Rudolstadt nach Bad Blankenburg.

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Eingang zum Schwarzatal

Von dort aus folgten wir dem Schwarzatal - einer herrlichen Motorradstrecke. Eigentlich wollten wir der Schwarza über Katzhütte bis nach Goldistal folgen und von dort aus über Limbach weiter nach Neuhaus am Rennweg fahren.

Daraus wurde leider nichts, denn in Sitzenbach wurde angekündigt was uns in den nächsten Tagen noch häufiger begegnen sollte: eine Vollsperrung.

In der Hoffnung in Schwarzmühle noch „irgendwie durchzukommen“ fuhren wir weiter. Diese Idee erwieß sich leider als Trugschluß, also zurück nach Sitzenbach und von dort aus über Unter- und Oberweißbach nach Neuhaus am Rennweg.

Dort folgten wir ein Stück der B281 und fuhren anschließend Gräfental nach Probstzella. Von dort ging es auf der B85 entlang des Loquitztals zurück in Richtung Saalfeld.

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Märchendom in den Saalfelder Feengrotten

Auf Grund der ungewollten Abkürzung der Tour nutzen wir die Zeit für einen Besuch der Saalfelder Feengrotten.

A propos Saalfeld: die B85 in Saalfeld war ebenfalls gesperrt und wurde umgeleitet ;).

Alles in allem war es eine nette Tour zum Kennenlernen der Umgebung, die Gesamtstecke betrug 151 km.

Tour 2  - Saaletalsperren

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Tour 2 – Saaletalsperren1

Von Kolkwitz aus fahren wir diesmal südlich über kleine kurvige Straßen nach Unterwellenborn. Von dort aus sollte es über Kamsdorf weiter nach Kaulsdorf gehen – Vollsperrung. Nachdem sich er einzig anzutreffende Einheimische als gerade Zugezogener entpuppt und uns nicht weiter helfen kann weichen wir über Saalfeld aus.

Eigentlich wollten wir von Kaulsdorf aus über Hohenwarte zur Staumauer der Talsperre Hohenwarte weiter fahren, jedoch ist die Ortsdurchfahrt Hohenwarte gesperrt und wir werden über Bucha auf malerischen Rollsplittstrecken umgeleitet :|.

Auf kurviger Strecke mit schönem Blick auf die Hohenwarte geht es entlang des Südufers über Liebschütz weiter nach Ziegenrück.

Ziegenrueck

Ziegenrück

Von Ziegenrück aus führt der weitere Verlauf über kleine Landstraßen zur Talsperre Burgkhammer, dem Unterbecken der Bleilochtalsperre. Die Strecke ist nicht spektakulär, bietet aber immer wieder schöne Aussichtspunkte.

Talsperre Burgkammer

Talsperre Burgkammer

Nach einen kurzen Stück Landstraße erreicht man das Nordufer der Talsperre Bleiloch. Über die Staumauer geht es weiter nach Saalburg. Entgegen meiner Karte entpuppte sich die Straße nach Saaldorf als Radweg welcher zum Waldweg wird :|.

Über Friesau, Leutenberg und Kaulsdorf fuhren wir weiter in Richtung Kolkwitz. In Kaulsdorf folgen wir der Ausschilderung nach Unterwellenborn und siehe da, es gibt doch den weiteren Weg zur B281 den wir Eingangs vergeblich gesucht hatten ;).

Wie geplant fahren wir über Krölpa in Richtung Uhlstädt, im Hinterkopf kurz vor Ladenschluß noch die örtliche Apotheke zu erreichen um uns dort mit Munition gegen die recht penetranten Mücken im Hotel einzudecken. Dieser Wunsch wurde wenige hundert Meter vor dem Erreichen der B88 vor Zeutsch jäh zunichte gemacht: Vollsperrung. Ein auf dem Feldweg entgegenkommender Schwalbe-Fahrer versichert uns, dass die Durchfahrt zur B88 auch unter Missachtung von…ähm nicht möglich ist. Also folgen wir einer abenteuerlichen Umleitung nach Freienorla welche so manchem Enduristen das Grinsen ins Gesicht getrieben hätte.

Nach 193 km erreichen wir wieder Kolkwitz und rücken den Mücken mit konventionellen Waffen zu Leibe 8-).

Tour 3  - Rennsteig, Ilmenau, Schwarzatal

Route

Tour 3 – Rennsteig, Ilmenau, Schwarzatal1

Über Rudolstadt und Stadtilm führt diese Route entlang von Feldern und Wiesen nach Arnsdorf.

Weiter über Crawinkel und Ohrdruff geht es kurvig bergan in den Wintersportort Oberhof.

Schmuecke

Schmücke

 

Südlich von Oberhof kreuzen wir mehrfach den Rennsteig in Richtung Schmiedefeld. Die Strecke ist gut ausgebaut und Kurvenreich, wie geschaffen zum Motorradfahren.

Über die B4 und Ilmenau geht es weiter südlich nach Neustadt am Rennsteig.

Die weitere Strecke verläuft auf kleinen Straßen über Oelze, Großbreitenbach, Gehren und Allendorf an die Schwarza bei Schwarzburg. Vorbei an der Schwarzburg folgen wir dem Schwarzatal nach Bad Blankenburg.

Hoehenprofil der Tour

Hoehenprofil der Tour

Wieder in Kolkwitz angekommen haben wir 230 km zurückgelegt.

Was bietet diese Tour nun besonders? Viel Natur und tolles Panorama, vorallem aber jede Menge Fahrspass sei es auf breit ausgebauten Straßen oder den kleinen Pfaden zwischen den Dörfern.

Tour 4 – Loquitztal – Frankenwald

Tour 4 - Loquitztal - Frankenwald

Tour 4 – Loquitztal – Frankenwald1

Um es gleich vorweg zu nehmen, natürlich mussten wir auch auf dieser Tour auf Grund von Umleitungen öfter die geplante Route verlassen ;-).

Auf dem ersten Teil der Tour fuhren wir wie bei der ersten Tour über Saalfeld entlang der Loquitz nach Probstzella. Von dort aus ging es weiter südlich über Tettau und Judenbach nach Friesen.

Mahnmal - Innerdeutsche Grenze

Mahnmal – Innerdeutsche Grenze

Dabei kreuzten wir mehrfach die ehemalige innerdeutsche Grenze, vom Grenzverlauf ist inzwischen nichts mehr zu erkennen, lediglich die Lastenklassenschilder der Bundeswehr erinnern an manchen Stellen noch daran.

Bundeswehr Lastklassenschild

Bundeswehr Lastklassenschild2

Nach Wallenfels verließen wir die B173 um über Presseck nach Naila zu fahren. Dabei wurden wir von engen kurvigen Landstraßen und tollem Panorama belohnt.

Über Lichtenberg ging es weiter nach Bad Lobenstein.

Bad Lobenstein

Bad Lobenstein3

Hinter Bad Lobenstein holte uns die Unwetterfront ein, welche sich schon lange am Horizont abzeichnete. Wind, Starkregen und tlw. überspülte Straßen sorgten dafür, dass wir recht langsam über Leutenberg die Heimreise nach Kolkwitz antraten. Natürlich erfolgte diese auf Grund mehrerer Umleitung nicht auf dem kürzesten Wege.

Ab Hockeroda ließ der Regen nach und wir erreichten nach 239 km unser Ziel. Der Reiz dieser Tour machten vor allem die vielen kleinen Nebenstraßen in Thüringen/Oberfranken aus.

Fazit

Nach der 4. Tour war unser Kurzurlaub bereits zu Ende. Tags darauf traten wir die Heimreise an. Auf Grund der Wettervorhersage nutzen wir diesmal die Autobahn.

Thüringen ist immer eine Reise wert, es gibt viele interessante Touren welche wir gern noch gefahren wären, unter anderem ein Besuch der Wartburg und des Kyffhäuserdenkmals.

 

  1. © OpenStreetMap contributors [] [] [] [] []
  2. Foto: C.Löser – Lizenz: CC-BY []
  3. Foto: S. Kampf – Lizenz: CC-BY-SA []

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